Wandern im Winterwunderland Oberstdorf im Allgäu

Ein beeindruckendes Bergpanorama bietet sich beim Wandern in Oberstdorf: Der winterliche Schneck mit Blick vom Oytal. (Foto: Oberstdorf Marketing)

Der Schnee knirscht unter den Stiefeln, die Luft ist klar und kalt, der Blick schweift über die Berggipfel: Wandern im Winter hat seinen ganz eigenen Reiz, noch dazu, wenn man 140 Kilometer präparierte Wege zur Auswahl hat wie in der Allgäuer Marktgemeinde Oberstdorf.

Zum Einstieg, um sich an winterliche Wanderverhältnisse zu gewöhnen und zugleich eines der schönsten Oberstdorfer Hochtäler zu besuchen, eignet sich die nur mäßig steile Tour zum Oytalhaus. Los geht es in Oberstdorf am Oybelearkplatz nahe der Talstation Nebelhornbahn. Wir wollen aber nicht aufs Nebelhorn – die Bahn befindet sich im Umbau, die Wiedereröffnung ist für April 2021 geplant. Vom Parkplatz gehen wir stattdessen zur Mühlenbrücke, wo uns ein munteres Wildwasser, die Trettach, entgegenströmt. Der 14 Kilometer lange Bach fließt durch Oberstdorf und bildet nach dem nördlichen Ortsende zusammen mit der Breitach die Iller.
Wir gehen stromaufwärts, einen zunächst breiten Wanderweg entlang. Nach etwa 1,7 Kilometern kommt man zu einer Brücke, die über den Oybach führt. Schon davor biegen wir links auf den Dr.-Hohenadel-Weg ein, der entlang des wildromantischen Oybaches ins Oytal führt. Der schmälere Weg führt nun stetig bergauf, vorbei an schneebedeckten Almwiesen. Hier mündet der Weg in eine breitere Fahrstraße, die im Winter geräumt und für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist. Schließlich erreicht man eine Bergahorn-Allee, die direkt zum Oytalhaus führt: Die Bäume wurden Ende des 19. Jahrhunderts gepflanzt, um den ersten Touristen die vornehme Blässe zu erhalten – im Hochsommer ist man dafür auch heute noch dankbar.

Das beeindruckende Oytal im Winter

 

Während man weitergeht, öffnet sich vor einem das Oytal. “Oy” leitet sich von “Aue” ab, also einem Gelände mit saftigen Wiesen, das an einem fließenden Gewässer liegt. Was im Sommer romantisch und lieblich wirkt, ist im Winter durchaus ehrfurchtgebietend: Die steil abfallenden Seewände auf der linken Seite sowie der Riefenkopf, der Hahnenkopf und weiter hinten der Höfats auf der rechten Seite umschließen das zehn Kilometer lange Tal. Wenn man Pech hat, kann der Weg ins Oytal im Winter auch mal gesperrt sein – wegen der Lawinengefahr. Bei passenden Witterungsbedingungen ist es aber ein eindrucksvolles Erlebnis, bei dem man sich im stillen, unbesiedelten Oytal wie in einer anderen Zeit fühlt.

So manches stammt tatsächlich noch aus anderen Zeiten: etwa die “Rechtler”, wie die Einwohner Oberstdorfs genannt werden, auf deren Häuser sich das Recht befindet, gemeinsame “Allmende” – Weiden, Wälder, Wasser – zu nutzen.

Von Oberstdorf zum Oytalhaus:

 

Schwierigkeit: Leicht, mäßig steil, geräumte Wege
Länge: ca. 10 Kilometer
Dauer: ca. 4 Stunden
Anstieg: ca. 190 Höhenmeter
Start/Ziel: Oybele-Parkplatz, Oberstdorf

Historisches Bergdorf Gerstruben

Die mittelschwere Wanderung führt zu einem historischen Bergdorf: Von der Mühlenbrücke in Oberstdorf geht es die Trettach entlang abwechslungsreich bis nach Dietersberg, wo der Aufstieg über eine steile, winterliche Alpstraße erfolgt. Gerstruben, eines der höchstgelegenen Bergdörfer Deutschlands, liegt auf 1.155 Metern malerisch eingebettet zwischen den Allgäuer Alpen. Das ehemalige Bergbauerndorf besteht heute aus vier Häusern und einer Kapelle. Im Berggasthof Gerstruben bietet sich eine Einkehr an.

 

Länge der Strecke: 11 Kilometer

Dauer: 4 Stunden

Anstieg: 280 Höhenmeter

Mehr zur Historie von Oberstdorf lesen Sie im Bayerns Bestes Magazin, Ausgabe 05/2020

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Matthias Jell

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