Parodist Wolfgang Krebs im Interview zu Söder, Aiwanger und Co.

Wandelbar: Wolfgang Krebs. Foto: Severin Schweiger

Im Interview spricht der Kabarettist Wolfgang Krebs  über den bairischen Dialekt und über seine Parodien von Charakteren wie Edmund Stoiber, Markus Söder und Hubert Aiwanger.

Herr Krebs, Ihr Vater stammt aus Oberfranken, Ihre Mutter aus Oberbayern. Ist Ihnen mit zwei oder drei Jahren nicht die Entscheidung schwergefallen, welche Dialektfärbung Sie annehmen möchten?

Wolfgang Krebs: Ich habe mich nie eindeutig entschieden, sondern mich immer an meine Umgebung angepasst. Im Allgäu, wo ich seit 1972 lebe, spreche ich mit Allgäuern Allgäuer Dialekt, in Franken falle ich ins Fränkische. Das geschieht, ohne dass ich darüber nachdenke. Ich übertreibe es aber nicht. Die Leute kennen mich ja. 

Schauspiel-Workshops haben Sie in Ihrer Karriere nach Berlin und London geführt. Wer kommt Ihrer Erfahrung nach besser mit unserem bairischen Dialekt zurecht: der Berliner oder der Brite?

Krebs: Da ich auch in London versucht habe, den dortigen Dialekt zu übernehmen, hatte ich es leichter. Aber der Berliner mag vor allem unseren bairischen Dialekt. Einer meiner beiden Söhne lebt und arbeitet in Berlin und spricht da aber am Arbeitsplatz ausschließlich Englisch. Die Dialekte werden zurückgedrängt, das ist eine besorgniserregende Entwicklung.

Ihre Paradeparodien umfassen die Charaktere Edmund Stoiber, Günther Beckstein, Horst Seehofer, Markus Söder, Joachim Herrmann und Hubert Aiwanger. Wer war denn am schwierigsten zu kreieren und warum?

Krebs: Sie haben recht, das sind die prominentesten Parodien von mir, aber es kommen noch sehr viele dazu, die mal mehr, mal weniger in Erscheinung treten. Am längsten habe ich damals für Christian Ude gebraucht. Schwerer als Aiwanger war auch Markus Söder, und zwar weil er so ähnlich spricht wie ich, und ich das aber nicht gemerkt habe. Also ich habe etwas gesucht, das bereits in mir war.

Wenn Sie eine neue Personenrolle einüben, macht sich diese Person – wie Sie in Ihrem Buch schreiben – in Ihnen breit. Was fällt Ihnen am schwersten bei einer Parodie: Körpersprache, Mimik, Stimme oder Sprache?

Krebs: Ich fange immer erst bei der Stimme an. Ich stelle mir vor, wie diese Person spricht. Da passiert erst mal nur was in meinem Kopf. Ich höre in diese Stimme hinein, ohne dass ich was sage. Und dann kommen die ersten Worte. Das dauert länger. Manches kann ich auch sehr schnell.

Passiert es Ihnen manchmal im Alltag, dass Sie bei Gesprächen ins Parodieren kommen?

Krebs: Immer, wenn ich etwas in einem fröhlichen Gespräch sage, was ich jemanden in den Mund lege, passiert das, aber natürlich nicht ungewollt. Es macht mir einfach Freude, Gespräche etwas aufzulockern.

Man kennt Sie als Kabarettisten, Parodisten, Bühnenstar und Schauspieler. Was manche nicht wissen ist, dass Sie neben anderen Büchern auch ein Kinderbuch veröffentlicht haben. In dem Buch und der CD dazu werden orientalische Geschichten beschrieben. Wird es irgendwann auch ein Kinderbuch aus Ihrer Feder geben, das in Bairisch für kleine Mundartsprecher verfasst ist?

Krebs: Ich habe insgesamt acht Bücher geschrieben, aber keines war so erfolgreich, dass es Sinn machen würde, nochmal ein Buch zu schreiben. Vielleicht wenn ich mal Enkelinnen oder Enkel habe, dann könnte das passieren. Meine Erfahrung beim Bücher schreiben ist folgende: Verlage möchten gerne Namen haben, bei denen die Vermarktung von selbst funktioniert. Dazu müsste ich bundesweit arbeiten, ich mag aber nur in Bayern, Österreich und der Schweiz auftreten.

Momentan touren Sie mit Ihren aktuellen Programmen „Geh zu, bleib da!“ und „Vergelts Gott!“. Können Sie kurz erklären, was die Besucher Ihrer Auftritte erwartet? Worum geht es in den Stücken?

Krebs: Tatsächlich toure ich gerade mit zwei Programmen, weil ich noch einige verschobene Termine von „Geh zu, bleib da!“ habe. In diesem Programm geht es darum, Werbung zu machen, von der Stadt in die Kleinstadt oder aufs Land zu ziehen, weil das Leben da lebenswerter ist, als in der Stadt. Bei „Vergelts Gott!“ erleben wir den Bayerischen Himmel, der sich Sorgen um die CSUler in Bayern macht, weil im Himmel immer weniger CSUler ankommen. Beide Programme sind sehr lustig und bekommen immer viel Applaus. Es ist gute Unterhaltung in vielen Dialekten.

Was ist schwieriger für Sie, vor der Kamera zu stehen oder live auf der Bühne?

Krebs: Für mich ist es beides schön, zurzeit natürlich echte Auftritte auf echten Bühnen, weil uns das Arbeiten auf der Bühne ja monatelang verboten war. Es ist schön, wieder echte Menschen zu treffen und nicht nur in das Objektiv einer Kamera zu sehen.

Vervollständigen Sie bitte zum Abschluss den Satz: „Nach einem gelungenen Bühnenauftritt ist es für mich die schönste Belohnung, wenn…“.

Krebs: … ich weiß, dass es den Zuschauern gefallen hat und alle viel gelacht haben. Es gibt keine größere Freude für mich, als andere zum Lachen zu bringen.

Weitere Informationen: www.wolfgangkrebs.com

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Matthias Jell

Matthias Jell

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