Sylvensteinsee: Baden, Paddeln und Wandern im Isarwinkel

Stand Up Paddling (SUP) auf dem Sylvensteinsee in Oberbayern.
Stand Up Paddling (SUP) auf dem Sylvensteinsee in Oberbayern. Foto: Tourismus Lenggries/Adrian Greuter

Der Sylvenstein-Speichersee im oberen Isartal wurde vor 62 Jahren künstlich angelegt. Seitdem ist er längst zum Badeparadies für Liebhaber von Natur und Natürlichkeit geworden.

 

Leichtes Plätschern unterm Stand-Up-Paddleboard, das sachte auf dem türkis-grünen Sylvensteinsee schaukelt. Auf der Haut eine leichte Brise, die Hand ins 21 Grad warme Wasser getaucht, ein kurzes Blinzeln noch. Und dann ist er da, dieser Moment: Entspannung bis zum Einnicken. Muskeln, Faszien – und die Seele kommen zur Ruhe.


Über den sieben Kilometer langen Speichersee ist eben noch eine kleine Gruppe Wassersportler geglitten. Auf aufblasbaren Paddelboards. Das Gleichgewicht auf dem schmalen, schwankenden Brett mit den Füßen austarierend, leicht gebeugt in den Knien, das mannshohe Paddel gleichmäßig durchs Wasser ziehend. Nicht zu hastig, nicht zu langsam. Bis ein jeder seinen Flow gefunden hat und im eigenen Rhythmus vor der Karwendelkette vorüberzieht, die das Panorama im Süden dominiert. Sich den Elementen Wind und Wasser anvertrauend haben die Sportler das Paddel irgendwann vorne an der Nose unter die schmalen Gummibänder geklemmt und sich lang auf dem Kunststoffbrett ausgestreckt. Plötzlich allein mit sich zwischen Wasser und Himmel.

Markantes Bauwerk: Die Brücke über den Sylvensteinsee.
Markantes Bauwerk: Die Brücke über den Sylvensteinsee. Foto: Tourismus Lenggries/Christian Bäck

Durch den Isarwinkel: Der Sylvensteinspeicher

 

Von 1954 bis 1959 am Sylvenstein, einer natürlichen Engstelle im oberen Isartal, erbaut, hatte der wenige Kilometer südlich von Lenggries gelegene Stausee vor allem den Zweck, den Wasserspiegel der Isar auf ihrem Weg durch den Isarwinkel bis in den Ballungsraum München konstant hochzuhalten. Denn, als in den 1920er Jahren erst die Isar und später die Seeache zum großen Teil in die Kraftwerke am Walchen- beziehungsweise Achensee umgeleitet wurden, blieb von dem so wassereichen Fluss im nördlichen Verlauf oft nur ein trauriges Rinnsal übrig. “Auf Höhe Lenggries und Bad Tölz war die Isar im Sommer oft so ausgetrocknet, dass sie sich in eine veritable Flussleiche verwandelte“, sagt Manuela Strunz, Gemeindearchivarin von Lenggries. Umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Floßfahrt zwischen Mittenwald und München jahrhundertelang das wichtigste und verlässlichste Transportmittel gewesen ist.

 

 

Speichersee zur Wasserableitung der Isar

 

Gerade in heißen und trockenen Sommern, wenn deutlich mehr Wasser zur “akuten Niedrigwasserbewirtschaftung“ in die Isar abgeleitet wird, als in den Stausee einfließt, ist die Wasserstandregulierung nach wie vor Hauptzweck des Speichersees. “Die Elefanten im Tierpark Hellabrunn wollen baden, die Kernkraftwerke an der Isar müssen gekühlt werden, die Müllabfuhr in München muss funktionieren“, verdeutlicht Dr. Tobias Lang vom Wasser-Wirtschaftsamt Weilheim die Bedeutung des bis zu 124 Millionen Kubikmeter fassenden Sees mit den drei Armen. Andererseits hat sich der 44 Meter hohe Staudamm – “ein riesiger Kieshaufen“ – auch schon mehrfach bewährt. Zuletzt verhinderte er 2013 schwere Hochwasser. „Damals sind im Isartal Milliardenschäden vermieden worden“, sagt Lang.

 

Sylvenstein: Ein See mit weitgehend unverbauten Ufern

 

Doch ist der glitzernde, von den Voralpen gerahmte Sylvensteinsee heute vor allem eins: ein wunderschöner Badesee mit weitgehend unverbauten Ufern. “Wer hier zum Schwimmen, Tauchen, Rudern, Stand Up Paddeln oder Fischen herkommt, sucht keinen Kiosk mit Currywurst-Pommes, keinen Trubel auf bunten Gummiinseln oder auf knatternden Motorbooten“, sagt Ursula Dinter-Adolf, Leiterin Tourismus Lenggries. “Selbst Elektromotoren sind auf dem Sylvensteinsee verboten.”

Ruderboote auf dem Sylvensteinsee.
Ruderboote auf dem Sylvensteinsee. Foto: Tourismus Lenggries/Christian Bäck

Ganz ohne Protest ist der Bau des Stausees damals freilich nicht verlaufen. Die Regulierung der Isar fand zwar breiten Konsens in der Bevölkerung. Dass sie dafür ihr Dorf, das immerhin auf das Jahr 1280 zurückgehen soll, aufgeben mussten, war für rund 20 Familien dennoch eine bittere Pille. Denn ihre Heimat, das Dorf Fall mit den zwei Wirtshäusern, der Kirche, dem Forsthaus und den Wohnungen der Waldarbeiter, lag mitten im Staugebiet – und musste geräumt werden.

 

 Einige Kilometer südlich wurde Neu-Fall aufgebaut. “Doch vergessen haben die Leute ihr Alt-Fall nicht, sie erinnern sich gern an damals, glorifizieren die alte Zeit sogar ein wenig“, erklärt Archivarin Strunz. Nur ab und zu gibt der See den Blick wieder frei auf das alte Fall: Wie im Winter 2015, als totales Niedrigwasser herrschte und die Grundmauern und Keller des versunkenen Dorfes für ein paar Tage aus dem Schlamm auftauchten.

 

 

“Der Sylvenstein ähnelt fast schon einem Fjord”

 

Die versteckten Badestellen am Nordufer sind meist nur über Trampelpfade zu erreichen. Das Auto wird derweil an der Bundesstraße 307 geparkt, die von Vorderriß zum Achenpass führt. Allein der große Badeplatz westlich von Fall hat einen Parkplatz, eine Grillstelle und einen Kiosk. Die Wasserwacht hat hier ihren Platz und der Lenggrieser Sportanbieter Montevia lässt seine SUP-Paddelboards an dieser Stelle zu Wasser. “Wir bieten bereits seit 2013 SUP-Kurse an“, erklärt Geschäftsführer Martin Held, “sowohl auf dem See als auch auf der Isar, meist von Juni bis September.“ Gebucht werden kann individuell oder als Gruppe.

 

 

“Was für ein Juwel der Stausee ist, erkennt man vielleicht am besten, wenn man von der Faller Klammbrücke aus den Blick übers Wasser und das gesamte Landschaftsschutzgebiet schweifen lässt“, sagt Ursula Dinter-Adolf, „denn der Sylvenstein ähnelt, besonders am Isareinlauf fast schon einem Fjord.“ Kein Wunder also, dass der Speichersee zu den meistfotografierten Naturschönheiten der Gegend gehört.

Weitere Infos gibt es bei der Tourist Information Lenggries: www.lenggries.de

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Stephan Kabosch

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