Untertage abschalten in der Tropfsteinhöhle Schulerloch

Der Becherstalagmit, ein weltweit einzigartiges, frei im Raum stehendes Wasserbecken im Schulerloch – ein "Kraftort". Foto: Tropfsteinhöhle Schulerloch

Während einer heilmeditativen Führung in der Tropfsteinhöhle Schulerloch kommt man in der Ruhe zur Ruhe.

“Du darfst auf einem Stuhl Platz nehmen und brauchst nichts weiter zu tun, als zu genießen.” Die Ankündigung zur heilmeditativen Führung in der Tropfsteinhöhle Schulerloch klingt nach Kinobesuch. Gerade fühle ich mich eher wie auf einem Festival. Ich sitze mit zehn Teilnehmern in einem Kreis und atme kühle Luft ein. Meinen weißen Plastikstuhlhabe ich trockengewischt, nun fallen die kalten Wassertropfen unaufhörlich von der Decke auf meine Daunenjacke und Winterstiefel. Zwei Teilnehmerinnen sind in mitgebrachte Wolldecken gehüllt. Jemand steht auf: Gerald Frank, Leiter der heilmeditativen Führung. Er nennt sich selbst “Seelenmeister”.

Höhle kennenlernen, um entspannen zu können

 

Etwa eine halbe Stunde vor der Meditation führt uns Veronika Gruber, Geschäftsführerin der Tropfsteinhöhle Schulerloch, durch die Räume. “Um entspannen zu können, sollte man die gesamte Höhle mit ihren dunklen Ecken kennen”, sagt sie. 

 

Ich hatte mir das Schulerloch mit mehr Stalagmiten und Stalagtiten, Schmuck, wie Gruber es nennt, vorgestellt. Was mir deshalb besonders auffällt, ist der Becherstalagmit, ein weltweit einzigartiges, frei im Raum stehendes Wasserbecken, der aus dem Boden ragt. Es gibt jedoch viele “Blumenkohle”. Das sind Kalkablagerungen an den Wänden und der Decke, die an die Köpfe des Gemüses erinnern. Anfassen verboten: Durch das Fett an den Händen wird das Wachstum der Ablagerungen gebremst.

Während der Meditation sitzen die Teilnehmer im Kreis und genießen die Ruhe. Foto: Tropfsteinhöhle Schulerloch
Ausdrücklich erwünscht ist, das “innere Ja” zu geben, sprich, sich auf die Höhle einzulassen. Das gelingt laut Gruber, indem man durch die Höhle geht, an einem Ort verharrt und die Atmosphäre dort auf sich wirken lässt. Ich bleibe in einer etwas finsteren, unscheinbaren Ecke auf rauem Boden stehen. Veronika Gruber ist begeistert, denn ich habe die “Kaffeebohne” entdeckt, diese nennt sie Kraftort. An einem solchen soll der Körper zur Ruhe kommen und sich gleichzeitig mit neuer Energie aufladen. Oder, wie Gruber sagt: Das Magnetfeld der Erde ist dort intensiv zu spüren, das wird durch Wasseradern verstärkt. In der Höhle gebe es viele dieser Stellen.

Nach einigen Minuten auf der “Kaffeebohne” werden meine Augenlider schwer, der Kopf sinkt nach unten. Im Bauch breitet sich ein wohliges Gefühl aus – ich muss aufpassen, dass ich nicht einschlafe. Gleichzeitig schießt das Blut merklich in Arme und Beine, die Finger werden warm, es kribbelt in den Spitzen. Die kalten Tropfen von oben landen auf dem Gesicht und erfrischen. Ein schöner Spezialeffekt zum Abschluss der Führung durch die Höhle. 

 

Meditierende Zwiebeln 

 

Gerald Frank löscht das Licht. In der Mitte unseres Stuhlkreises steht eine Kerze. Hinter mir liegen die “Kraftorte” nun im Finstern. Die Geräusche der Höhle mischen sich mit der Entspannungsmusik, die Frank eingeschaltet hat. Der drahtige Mann mit den stechend blauen Augen ist im »echten« Leben Wirtschaftsinformatiker. In der neunmonatigen Ausbildung zum “Spirituellen Heiler und Lehrer” hat er unter anderem die Module “Optimierung und Aufbau des menschlichen Energiekörpers” oder die “Lösung von seelischen Themen” durchlaufen. Er veranschaulicht: “Der Mensch kann mit einer Zwiebel verglichen werden. Jede Schicht steht für ein Gepäckstück aus dem Lebensrucksack.” Je weniger Schichten, umso entwickelter sei die Persönlichkeit. Eine heilmeditative Führung helfe, die äußere Schicht abzutragen, um wieder zum wahren Kern zu finden.

Ein Blick in die beleuchtete Höhle während einer Veranstaltung. Foto: Tropfsteinhöhle Schulerloch

Während ich darüber nachdenke, ob ich eine Zwiebel bin, sehe ich, dass Frank seine Arme hinter einer sitzenden Teilnehmerin ausbreitet. Seine Hände legt er nah an ihren Kopf, er schaut nach links und rechts. Diese Bewegungen seien intuitiv, erklärt er später. “Zieht es mich zu einer Person, erspüre ich, ob eher Berührung oder etwas Abstand zwischen meinen Händen und der Person für den heilenden Prozess förderlicher sind. Ich diene als Energiekanal und lasse die Energie das tun, was der Mensch gerade braucht.” 


Mir fällt das Abschalten schwer. Ich verfolge Frank, wie er bei den Teilnehmern “wirkt” und immer näher zu mir kommt. Die Musik und das stete Tropfen sind angenehm. Ich lasse mich darauf ein und schließe die Augen. Meine Arme werden bald schwerer und ich entspanne mich. Plötzlich spüre ich Wärme in meinem Rücken, dann am Kopf – Frank steht jetzt wohl hinter mir. Was genau er tut, merke ich nicht, jedoch, dass ich weiter tief und ruhig atme und mich so entspanne. Nach einer Weile öffne ich die Augen. Frank ist weitergegangen. Ich fühle mich ausgeruht.

Nachdem die Musik endet, schaltet Frank das Licht an. “Jeder kehrt nun in seinem Tempo zurück”, sagt er. Wie nach einer Kinovorstellung gibt es auch jetzt Gäste, die direkt zum Ausgang eilen, während andere noch über das Geschehene nachdenken. Ich schaue in die Dunkelheit, die wie eine Leinwand wirkt. Die Tropfsteinhöhle Schulerloch hat sich gut inszeniert.

Informationen zur Heilmeditativen Führung


Die heilmeditative Führung ist für Anfänger und Fortgeschrittene im Bereich Meditation geeignet. Bequeme und etwas dickere Kleidung ist wichtig. Das Ziel der heilmeditativen Führung ist, den Zugang zur ursprünglichen Lebensenergie wiederzufinden, freizulegen und zu nutzen. Sie ersetzt nicht die Diagnose und Behandlung bei einem Arzt oder Heilpraktiker!

Die Tropfsteinhöhle Schulerloch

Die Tropfsteinhöhle Schulerloch ist 420 Meter lang und besteht aus mehreren Räumen, der größte ist 793 Quadratmeter groß. Erstmals wurde sie 1783 schriftlich erwähnt. Um die Herkunft des Namens ranken sich Mythen: Einer Legende nach soll sich eine keltische Druidenschule in der Tropfsteinhöhle befunden haben, andere Quellen meinen, dass das altbairische Wort “Schuller” (Räuber) in den Namen mit einfließt – glaubt man der Sage über einen Räuber, der zusammen mit seinem Hund dort zu Stein geworden ist, nachdem er Gotteslästerung betrieben hat.

Hinweise vor dem Besuch der Tropfsteinhöhle Schulerloch

 

Die Tropfsteinhöhle Schulerloch befindet sich im Altmühltal, etwa drei Kilometer vom niederbayerischen Kelheim entfernt in Richtung Essing. Vom kostenfreien Parkplatz Schulerloch an der Staatsstraße St2230 erreicht man die Höhle nur zu Fuß durch einen Laubwald. Die Adresse lautet: Am Schulerloch 1a, 93343 Essing.

 

Barrierefreiheit: Für körperlich Benachteiligte und Rollstuhlfahrer ist der Weg aufgrund der Steigung schwierig, durch zusätzliche Unterstützungspersonen und Rastbänke am Wegesrand aber prinzipiell machbar (entsprechend mehr Zeit einplanen). Auf dem Gelände gibt es eine kurze Treppe im Eingangsbereich und vereinzelte weitere Treppenstufen. Eine barrierefreie Toilette ist nicht vorhanden. Die Höhle ist ebenerdig und kann mit Rollatoren und Rollstühlen begangen werden. Kinderwagen sollten auf der Terrasse abgestellt werden.

 

Höhenmeter: 50

Dauer des Aufstiegs: circa 20 Minuten

Hinweise für die Zeit in der Tropfsteinhöhle

 

In der Höhle herrschen neun Grad Celsius, deshalb ist ausreichend warme Kleidung notwendig.

 

Der Weg in der Höhle wird elektrisch beleuchtet, der Boden ist etwas steinig, aber fest, teilweise kann es durch die Nässe leicht rutschig sein.

 

Für den Besuch im Schulerloch sollte man inklusive Aufund Abstieg rund 1,5 Stunden einplanen.

Mehr zum Schulerloch und zum Klima in Heilstollen erfahren Sie in der Ausgabe 02/2021.

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Christine Henze

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