Bei Atemproblemen oder Allergien: Luft aus Bienenstöcken inhalieren – mit Verlosung

In Bad Königshofen wird die sogeannte Bienenstocklufttherapie sein. Sie soll Menschen mit Atemproblemen oder Allergien helfen. (Foto: Johannes Gräter/Bienenzentrum Rhön-Grabfeld)

Apitherapie: Im unterfränkischen Bad Königshofen inhalieren Menschen mit Atemproblemen oder Allergien die Luft aus Bienenstöcken. Ein traditionelles Naturheilverfahren und ein Zuckerl für den Geruchssinn.

Die gemeinsame Geschichte von Bienen und Menschen ist so alt wie die Menschheit selbst. Unsere Vorfahren haben Honig gegessen und ihn sich gegen Infektionen auf offene Wunden gestrichen. Aber auch der Luft im Bienenstock haben sie Heilkräfte zugesprochen. “Die Bergleute in Oberbayern hatten zum Beispiel im vorigen Jahrhundert fast alle eigene Bienenvölker”, sagt Arno Bruder, Präsident des deutschen Apitherapie Bundes (DAB) im oberbayerischen Weilheim-Marnbach. Ob in Penzberg, Peißenberg oder Peiting: Nach der Schicht im Berg seien die Männer ins Bienenhaus gegangen, um den mit Pechkohlestaub verklebten Atemwegen eine Erholung zu gönnen

Einblicke in die Bienenstocktherapie im Video:

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Noch immer können Einheimische und Touristen in Bayern den Duft der Bienen schnuppern, zum Beispiel in Bad Königshofen. Das Bienenzentrum Rhön-Grabfeld bietet die sogenannte Bienenstocklufttherapie an. Imker Albert Nöth zeigt, wie das funktioniert: Von außen fliegen die Bienen das Bienenhaus an und krabbeln durch den Spalt in der Holzwand in die innen stehen – den Beuten, wie die hölzernen Wohnkästen der Bienen genannt werden. Im Therapieraum stehen sieben Beuten nebeneinander. 50.000 bis 60.000 Tiere leben in einer von ihnen. “Ein Haufen Arbeitnehmer”, sagt Nöth lachend. Und die sind fleißig. Von den Kästen geht ein lautes Brummen aus. Es klingt wie ein großer, stetig rauschender Fluss.

Durch die Bewegung der Bienen mit ihren Flügeln und Hinterleibern geraten Pollen, winzige Partikel von Honig, Wachs, ätherischen Ölen, sekundären Pflanzenstoffen und Propolis in die Luft. Propolis ist das antibakteriell wirkende Harz, mit dem die Tiere ihren Stock vor Krankheitserregern schützen. Im feuchtwarmen Bienenstock würden sich sonst schnell Bakterien und Pilze bilden, erklärt Nöth. Er hebt den hölzernen Deckel einer Beute ab und setzt ein medizinisch zugelassenes Absauggerät namens Beecura auf, an dem ein transparenter Schlauch befestigt ist. “Die weißen Spiralen im Schlauch sind eine Heizung. Die sorgen dafür, dass die 35 Grad warme Stockluft ihre Temperatur hält, damit sich kein Kondenswasser bildet”, erklärt er.

Wie riecht Luft aus Bienenstöcken?

 

Um das herauszufinden, muss man sich eine Atemmaske über Mund und Nase ziehen und sie mit dem Schlauch verbinden. Holz, Harz, süßer Mais? Der Duft ist dezent würzig und angenehm. Tiefe Atemzüge bringen die Stockluft bis in die letzten Winkel der Lunge. Mikrofilter im Gerät verhindern, dass hier auch Staub oder Bienen landen. 50 verschiedene Substanzen gelangen so aus dem Bienenstock in die Atemwege, hat Professor Karl Speer von der TU Dresden herausgefunden, darunter neben Propolis zum Beispiel Nektar der Linde. Die Inhaltsstoffe “wirken über die Lunge besser als bei oraler Einnahme”, sagt Speer. Welche 50 Stoffe es genau sind, will er nicht verraten, da die diesbezügliche Studie noch nicht abgeschlossen ist.

Wie lange dauert eine Einheit der Apitherapie?

In den ersten Minuten kitzelt die Luft leicht in der Nase, aber das gibt sich. Vor den Fenstern surren die Bienen heran, bis auf das Brausen der Völker in ihren Beuten ist es völlig still. Zweimal 15 Minuten dauert eine Therapieeinheit. In der Halbzeit setzt Nöth das Beecura-Gerät auf eine andere Beute. Schließlich werden der Luft im Stock die Inhaltsstoffe entzogen, und “nach 20 bis 30 Minuten ist der Bienenstock ausgelutscht”, meint Arno Bruder vom DAB. Die Bienen würden das aber kaum merken. Nach drei bis vier Stunden haben sie die vorherige Luftbeschaffenheit wieder erreicht. So kann man ein Volk zweimal täglich “nutzen”, wie Bruder sagt, – einmal am Vormittag und einmal am Nachmittag.
Sechs bis zwölf Therapieeinheiten empfiehlt Nöth, um eine gute Wirkung bei Atemwegsproblemen zu erzielen. Zur Desensibilisierung bei einer Pollenallergie kämen die Patienten zum Beispiel einmal zu einer Intensivkur und dann alle zwei bis drei Jahre zum Auffrischen. Auf den Holzstühlen im Therapieraum nehmen sowohl Einheimische als auch Gäste der örtlichen Frankentherme und Touristen regelmäßig Platz. Eine Familie aus Rügen kommt in diesem Jahr extra für eine Woche mit dem Wohnmobil angereist, um ihre Pollenallergien in den Griff zu kriegen. Stammkunden haben ihre eigene Maske samt Schlauch im Maskenschrank des Bienenzentrums, alle anderen können gereinigtes Zubehör beim Imkerverein Bad Königshofen ausleihen.
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Matthias Jell

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