Wie Regensburg bayerisch wurde: Die Geschichte einer Stadt

Die Stadt Regensburg blickt auf eine lange Geschichte zurück. (Foto: imago)

In der Regensburger Altstadt wird Geschichte lebendig – was nicht nur an den denkmalgeschützten Bauwerken liegt, die als Unesco-Welterbe ausgezeichnet worden sind. 2019 wurde hier das Haus der Bayerischen Geschichte eröffnet. Doch das Verhältnis zwischen Bayern und Regensburg war über Jahrhunderte gespalten. Bei Erlebnisführungen kann man den Spannungen zwischen der ehemaligen Reichsstadt und dem Herzogtum Bayern nachspüren.

Wir sind plötzlich in eine andere Zeit gerutscht. Ein Mann kommt auf uns zu – mit breitkrempigem Hut und einer weißen Schürze über der Kniebundhose. Er fuchtelt aufgebracht mit dem Armen. “I bin a Brauer, Himmelherrgott, und koa Paragraphenreiter oder Schreiberling”, ruft er uns zu. “I kann ned jeder Menschenseele an der Nasenspitze ansehen, wo sie herkommt, oder?” Wir befinden uns im Regensburger Stadtteil Stadtamhof, aber nicht in der Gegenwart, sondern im 17. Jahrhundert. Die Situation ist kompliziert, aber der verärgerte Braumeister des Katharinenspitals klärt uns auf: Er ist Bürger der Reichsstadt Regensburg, die inzwischen evangelisch ist, aber die Bayern, die damals über Stadtamhof herrschten, machen ihm das Leben schwer. Zwar gehört das Katharinenspital zum reichsstädtischen Territorium, doch kaum tritt der Brauer vor die Tür, hat er es mit den Vertretern des bayerischen Kurfürsten zu tun. Und diese wollen nicht, dass er sein Bier im katholischen Stadtamhof verkauft: “Dabei geht‘s beim Bier doch nicht um Religion, sondern um den Geschmack!”
Tobias Schmid in der Rolle des Braumeisters in Regensburg. (Foto: www.janazellmerfotografie.de)

Diese Szene, die man bei der Stadtmaus-Führung “Wie Hund und Katz” erleben kann, zeigt, wie es um das Verhältnis der Regensburger Bürger zu den bayerischen Herrschern jahrhundertelang bestellt war: ausgesprochen schlecht. Das begann schon im Jahr 788, als Karl der Große den bayerischen Agilolfinger Tassilo III. wegen angeblicher Verschwörungen absetzte und Regensburg zur “urbs regia” machte, seiner königlichen Stadt, in der er sogar zwei Jahre lang Hof hielt. Im Hochmittelalter blühte Regensburg dann so richtig auf: Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert erlebte die Stadt ihre goldene Zeit, was vor allem den Kaufleuten geschuldet war, die erfolgreich quer durch Europa Handel trieben.

Die reichen und zunehmend selbstbewussten Bürger veranlassten 1135 den Bau eines der Wahrzeichen Regensburgs: Die rund 300 Meter lange Steinerne Brücke, die von der Altstadt über die Donau nach Stadtamhof führt, wurde in nur elf Jahren fertiggestellt. Ein perfekt durchdachtes Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst: Die Brückenpfeiler stehen auf sogenannten Beschlächten, künstlichen Steininseln, die eine Unterspülung verhinderten.

Lange Zeit einzige Brücke über die Donau zwischen Wien und Ulm

 

Auf den Beschlächten betrieb man Mühlen – dank starker Strömung ein lohnenswertes Unternehmen. Mit der Pacht, die die Müller dem Brückenmeister zahlten, wurde der Unterhalt der Brücke finanziert. Zwischen Ulm und Wien gab es lange keinen anderen festen Übergang über die Donau. Da die Brücke durch einen Erlass von Friedrich Barbarossa zunächst zollfrei genutzt werden durfte, profitierte die Bürgerschaft Regensburg bei ihren Handelsgeschäften.

1245 erhob Kaiser Friedrich II. Regensburg gar zur “Freien Stadt” – ein Affront gegen die bayerischen Herrscher: Die Wittelsbacher, die sich als bayerische Herzöge erhofft hatten, auch wieder uneingeschränkt über Regensburg herrschen zu dürfen, hatten das Nachsehen. Aus den reichen Kaufleuten der Stadt hatte sich eine neue Oberschicht gebildet, die ihre Rechte zu verteidigen wusste.

Wie es in dem Konflikt zwischen Bayern und Regensburg weiterging, das lesen Sie im Bayerns Bestes Magazin, Ausgabe 01/2021.

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Matthias Jell

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