Wenn Haidmühle mehr Schlittenhunde als Einwohner hat

Auch Huskys gibt es bei den Schlittenhunderennen zu bewundern. (Foto: Tourist-Info Haidmühle)

In der niederbayerischen Gemeinde Haidmühle sind einmal im Jahr die Hunde los. Bis zu 2.000 Siberian Huskys, Samojeden und Co. bevölkern beim Internationalen Schlittenhunderennen das 1.300-Seelen-Dorf.

Drei Dinge waren ausschlaggebend dafür, dass sich die Bayerische Musherunion “BMU” (“Musher” ist in Fachkreisen der Begriff für Menschen, die ein Hundeschlittengespann lenken) 1989 entschied, Haidmühle zum Austragungsort des jährlich stattfindenden Internationalen Schlittenhunderennens zu machen: Die weitläufige Lage an der Grenze zu Tschechien im Bayerischen Wald, die konstant kalten Temperaturen im Winter und der viele Schnee.

Mit  20 Hunden durch Europa

 

Kurt Radschun aus Rheurdt in Nordrhein-Westfalen nimmt seit zwei Jahrzehnten den weiten Weg bis in den Bayerischen Wald auf sich. Und dabei haben er und seine Frau 20 Hunde im Gepäck. “Der ganze Ort steht hinter dem Schlittenhundesport. Musher und Einwohner sind hier eine große Familie.” Der 56-jährige Fahrzeuglackierer muss es wissen, seit Jahren fährt er von Deutschland über Frankreich bis nach Skandinavien zu Schlittenhunderennen. Bis zu 18 Siberian Huskys spannt er vor seinen Schlitten und startet mit ihnen auf 40 Kilometern in der Mitteldistanz.

Handwerker und Ärzte, junge Männer und ältere Frauen – Musher kann man in keine Schublade stecken. Etwa 7.000 Menschen in Deutschland üben diesen Sport aktuell aus. Manche davon verbringen ihren kompletten Urlaub mit den Hunden im Bayerischen Wald.

Die ganze Gemeinde hilft mit

 

Nachdem Haidmühle 2019 Austragungsort der Weltmeisterschaft im Schlittenhunderennen war, kehrte im Winter 2020 wieder Normalität ein. Im Februar kamen zwischen 120 und 140 Musher mit bis zu 2.000 Hunden hierher. Die brauchen Platz und machen Lärm. Musher und Hunde schlafen auf einem improvisierten Campingplatz, der so groß ist, wie vier Sportplätze. Grundbesitzer stellen ihre Wiesen zur Verfügung. Diese müssen allerdings vom Schnee befreit werden: Die Campingwägen brauchen einen festen Untergrund, auf dem sie nicht einsinken. “Der Aufwand ist jedes Jahr enorm. Aber nach 25 Jahren haben wir langsam den Dreh raus”, sagt Vereinsvorstand Strixner und lacht.

Besucher können das Schlittenhunderennen entlang der Strecke aus nächster Nähe verfolgen. (Foto: Tourist-Info Haidmühle)
An den beiden Renntagen werden zwei Läufe in acht unterschiedlichen Kategorien ausgetragen. Die Veranstalter unterscheiden zwischen reinrassigen und nicht-reinrassigen Gespannen. Ein Schlitten mit nur zwei Hunden läuft in einer anderen Kategorie als das Gespann mit 18 Hunden. Und auch die Distanzen spielen dabei eine Rolle. “Es gibt Sprinter und Ausdauerläufer unter den Hunden”, erklärt Strixner. Samojeden, Alaskan Malamutes, Siberian Huskys und Grönländer gelten als Schlittenhunde. Sie alle verspüren einen unglaublichen Drang zum Laufen. Dem können sie im Bayerischen Wald nachkommen. In “Klein-Alaska”, wie Strixner seine Heimat nennt.

Hinweis: Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Artikel aus dem Archiv.

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Matthias Jell

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