Neues Buch von Ludwig Hammer mit Anekdoten aus Regensburg

Galerie Regensburg
Ludwig Hammer in seiner Galerie (Foto: Stefan Karl)

In einer verschlafenen Regensburger Gasse liegt vor efeuumrankten, alten Mauern eine kleine Galerie. Sie gehört zu Ludwig Hammer – so wie er zu ihr. Dort hat der inzwischen 80-Jährige etwa Pablo-Picasso-Bilder gezeigt, Kontakt zu Yoko Ono aufgebaut und allen voran die vielen Bilder seiner Freundin Hélène de Beauvoir (1910-2001), der Schwester der berühmten Existenzialistin und Feministin Simone de Beauvoir, ausgestellt. Mit der Malerin verband Hammer eine lebenslange, tiefe Freundschaft.

Er hat die öffentlichkeitsscheue Künstlerin aus dem Schatten ihrer Schwester geholt. Und sie hat ihn zu dem Galeristen gemacht, der er heute ist. Hammer hat ihre viele tausend Bilder zunächst in Weiden und später in Regensburg ausgestellt. Ihre Kunst wurde über die Donaustadt hinaus entdeckt und geschätzt. Der berühmte Philosoph, Existenzialist und Gefährte von Simone de Beauvoir sagte: „Ihr Werk überzeugt und bezaubert.“ Picasso nannte ihre Kunst originell, weil sie sich keinem Stil unterwerfe.
Hélène de Beauvoir Kudwig Hammer
Ludwig Hammer und Hélène de Beauvoir um 1995 (Foto: Sandro Agénor / Galerie Hammer)
Das macht auch die kleine Galerie in der Kunstwelt besonders. Hammer hat einen Blick und ein Faible für das Unkonventionelle, das Abenteuer. Aufgewachsen in einer Weidener Kaufmannsfamilie mit zehn Geschwistern zieht es den schlaksigen Mittdreißiger in den 1970er-Jahren nach Japan, um sich im Zen-Kloster zu vergeistigen. Auf einer Schiffspassage lernt er Hélène de Beauvoir kennen. Sie studiert in Japan Tusche-Malerei. Die beiden verstehen sich auf Anhieb. Hélène de Beauvoir gibt Hammer 1970 ihre Visitenkarte. “I would be very happy to see you again.” Bis zu einem Wiedersehen sollten aber noch zwei Jahre vergehen. In der Transsibirischen Eisenbahn nehmen russische Uniformierte Hammer Souvenirs ab. Auch die Karte ist weg. “Reiche Westler dachten die wohl.” Dabei konnte sich Hammer gerade so die Überfahrt leisten.

Kunst und Spiritualität als lebenslange Verbindung

 

Dann schreibt Hélène de Beauvoir ihm. Sie freunden sich an, Kunst und Spiritualität verbinden sie ein Leben lang, erzählt Hammer. Und Pazifismus. Angesichts der Kriege, die Hammer auch selbst miterlebt hat, sagt er: „Wer heute an Krieg denkt, gehört in eine Zwangsjacke oder eingesperrt“, findet Hammer. Schon sein Vater hat sich im Widerstand engagiert. “Er wurde im Stalag XIII in Weiden eingesetzt.” Ein Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht. “Er hat dort so vielen geholfen.” Auch mit dem Sohn von Stauffenberg und Oscar Schindler war die Familie befreundet. “Mein Vater hatte Pferde und sie sind zusammen ausgeritten.” Hammer gehört zu den älteren Menschen, von denen man ganz salopp sagen würde, dass es ihrer nicht mehr viele gibt – ein Original mit Charakter und der Fähigkeit, Geschichten zu erzählen.

Die Idee zum Buch entstand bereits vor 20 Jahren

 

So ist der ehemalige Kunstlehrer auch selbst kreativ und verzettelt sich in immer neuen Aufgaben. Ruft man bei ihm an, ist er an einem neuen Projekt dran. Zuletzt hat Hammer das 79 Seiten umfassende Buch „Die verbotenen Briefe an einen Regensburger Freund“ verfasst, das Anfang des Jahres erschienen ist. „Die Idee kam mir schon vor 20 Jahren – durch Corona kam ich dazu, das Projekt umzusetzen“, sagt der Weidener, für den Regensburg inzwischen zur Heimat geworden ist.

Sein ockerfarbenes Büchlein ist eine Sammlung von Aphorismen und kurzweiligen, ironischen Geschichten rund um sein Leben in Regensburg. Die meisten Texte über die Donaustadt lesen sich wie eine Hommage und Persiflage zugleich. So beschreibt Hammer etwa das verwinkelte „Klein-Venedig“ im Text „Warum man sich in Regensburg nicht verirren kann“ wie folgt:

„Regensburg gefällt allen, weil man sich darin nicht verirren kann. Denn in Regensburg, mein lieber Freund – nach vierstündigem, scharfen Marsch steht man immer wieder am Haidplatz. Im Norden droht die Donau – im Süden, Westen und Osten verhindern breite Todesstreifen das Verlassen der Stadt. Und so sehen wir uns alle immer und immer wieder in unseren düsteren Mauern. Niemandem ist bisher die Flucht gelungen. Auch nicht unserem Landvermesser aus Prag (Anm. d. Red.: gemeint ist Franz Kafka). Im Kneitinger reisst er das Fenster weit auf und lacht laut – schauerlich schallts über den Arnulfplatz.“

Ein Einblick ins Buch "Die verbotenen Briefe an einen Regensburger Freund“:
Den Freund, den Hammer im Titel und im Buch adressiert – „der ist fiktiv“, verrät er. Dieser fiktive Freund lockert die Texte auf. Sie erscheinen weniger selbstreferenziell und bleiben zugleich geheimnisvoll. So lädt der Autor den Leser als Freund ein, an seinen hintergründigen Gedanken zur Stadt teilzuhaben. Die verspielten Illustrationen haben der Zeichner Christoph N. Fuhrer, Hammers Frau Pilar Rovira und sein Sohn Raphael Hammer beigesteuert. So bleibt eben vieles in der Familie. „Meine Söhne wollen auch mit in die Galerie einsteigen“, sagt der 80-Jährige. Hélène de Beauvoir hätte es gefreut, das zu hören.
Galerie Regensburg
Spannende Einblicke in die Galerie Hammer. (Foto: Stefan Karl)
Einige Zeit hing die Zukunft der Galerie in der Schwebe. Jetzt kann Hammer aufatmen und sich seinen Projekten widmen. Die nächsten sind schon in Planung: eine Arbeit für Yoko Onos „Peace is Power“, eine Ausstellung mit Schlagzeuger Peter Enderlein von Haindling und ein Roman: „Der spielt unter anderem in Japan und hat wie immer autobiografische Züge.“ Es werden nicht die letzten Ideen gewesen sein. Hammer seufzt. „Ich habe noch so viel vor.“
Ludwig Hammer Regensburg
Foto: Sonja Esmailzadeh

„Die verbotenen Briefe an einen Regensburger
Freund“
Von Ludwig Hammer

 

Die „verbotenen Briefe an einen Regensburger Freund“ sind manchmal fantastisch und bitter ironisch, aber auch tröstend humorvoll. Zeitlose Wahrheiten aus einer steinernen Stadt, die überall gelegen sein könnte. Von Ludwig Hammer glücklicherweise aufgefunden. Die Illustrationen dazu stammen von Christoph N. Fuhrer, Raphael Hammer und Pilar Rovira.

 

Morsbach-Verlag / 2021 / 16 Euro

Weitere spannende Kulturthemen finden Sie in den Ausgaben von “Bayerns Bestes” und hier.

Finden Sie uns auf :

Christine Henze

Christine Henze

Anzeige

Auch interessant

Scroll to Top