Gipfelstürmer Werner Schmidbauer über das Glück seiner Karriere

Kabarettist Michael Altinger (li.) und Werner Schmidbauer im Rahmen der BR-Sendung "Gipfeltreffen" auf dem Heuberg in den Chiemagauer Alpen. (Foto: BR/Werner Schmidbauer)

Ob er als Musiker durch Bayern tourt oder als Moderator des BR-Gipfeltreffens auf die höchsten Berge steigt, Werner Schmidbauer ist immer unterwegs. Im Interview mit Bayerns Bestes erzählt der 60-Jährige von seiner Musik, seinem persönlichen Rückzugsort und verrät das Geheimnis seiner Fleischpflanzerl.

Herr Schmidbauer, als Sie in den 80ern bei “Live aus dem Alabama” Ihre Karriere als Moderator gestartet haben, arbeiteten Sie mit Giovanni di Lorenzo zusammen. Der ist heute Chefredakteur der Zeit, Sie sind Künstler. Wer, denken Sie, hat es besser erwischt?

Werner Schmidbauer: (lacht) Ich glaube, jeder von uns beiden ist exakt den Weg gegangen, den er gehen wollte und mit dem er glücklich ist.

Inwiefern hat sich die Corona-Krise auf Ihre Musik ausgewirkt?

Schmidbauer: Es gibt Musiker, die ihr ganzes Leben die gleichen Lieder spielen. Ich bewundere das, aber ich könnte das nicht. Natürlich hat sich da auch Corona ausgewirkt, etwa auf das Lied “Wo bleibt die Musik”. Mein Freund Martin Kälberer und ich haben deshalb auch extra eine aktuelle Version des Songs aufgenommen. Als wir den Song 2013 geschrieben haben, ging es mir auch darum zu zeigen, was uns verloren geht, wenn die Musik etwa aus unseren Innenstädten verschwindet. Und jetzt wissen wir, was passiert, wenn die Musik tatsächlich einmal ganz wegbleibt und wie wichtig sie für uns alle ist.

Neben der Musik sind Sie vor allem als Moderator bekannt. Wann hat sich für Sie herausgestellt, dass das der richtige Weg ist?

Schmidbauer: Musiker war ich eigentlich schon  immer, auch vor meiner Zeit in “Live aus dem Alabama”. Der damalige Redakteur beim BR kannte mich und meine Musik und fragte mich, ob ich mir auch vorstellen könnte, ein Talkformat zu moderieren. Von da ab hat mich das Moderieren immer begleitet, passend zu meinen Lebensphasen. Als ich selbst kleine Kinder hatte, konnte ich “Dingsda” von Fritz Egner übernehmen. Später konnte ich dann in “Aufgspuit!” Moderation mit Musik verbinden und meine Leidenschaft für die Berge im “Gipfeltreffen”. Ich hatte immer das Glück, genau das machen zu können, worauf ich Lust hatte.

Werner Schmidbauer moderierte von allen "Live aus dem Alabama"-Moderatoren die Sendung am längsten, circa zehn Jahre. (Foto: BR/Sessner)

Apropos “Gipfeltreffen”: Gibt es einen Berg in Bayern, den Sie noch nicht gesehen haben?

Schmidbauer: Da gibt es noch sehr viele. Wenn wir das “Gipfeltreffen” so lange machen würden, bis wir auf allen Bergen in Bayern gewesen wären, würde das sicher noch gut 100 Jahre dauern.

Beim “Gipfeltreffen” wird ja immer wieder auch von Ihren Fleischpflanzerln geschwärmt…

Schmidbauer: Ja. (lacht) Ich weiß aber nicht genau, warum. Das sind stinknormale Fleischpflanzerl. Das Rezept stammt von meiner Mama, aber es ist jetzt keine besondere Zutat drin. Ich glaube, man kann es sogar auf der Homepage des BR nachlesen.

Haben Sie eine Idee, weshalb Ihre Gäste dann derart davon schwärmen?

Schmidbauer: Das Wandern durch die Berge strengt an und da freut man sich dann über eine schöne Brotzeit. Mit der Zeit hat sich das dann verselbstständigt und ist natürlich auch gehypt worden. Einige Gäste haben dann als Spaß gesagt, dass die Fleischpflanzerl schrecklich sind, was das Mysterium noch verstärkt hat. Es kommt, glaube ich, vor allem darauf an, wo und in welcher Situation man isst. Da können einfache Fleischpflanzerl sehr gut schmecken.

Zwei bekannte Gesichter in jungen Jahren: Sandra Maischberger und Werner Schmidbauer moderierten in den 80er Jahren gemeinsam "Live aus dem Alabama". (Foto: BR/Sessner)

Gab es beim “Gipfeltreffen” jemanden, mit dem Sie besonders gerne Fleischpflanzerl gegessen haben?

Schmidbauer: Es gibt einige Interviews, an die ich mich gerne zurückerinnere. Natürlich an Freunde wie Fredl Fesl und Pippo Pollina. Aber auch das Gespräch mit Sepp Daxenberger, kurz vor seinem Tod, war sehr bewegend. Zum Zeitpunkt der Aufnahme wusste er wahrscheinlich schon, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Trotzdem wollte er noch unbedingt mitmachen.

Sie gehen auch privat viel in die Berge. Warum?

Schmidbauer: Es gibt Momente, in denen man vollkommen allein ist, nur mit sich und der Natur. Für mich ist das ein sehr wichtiger Ausgleich zu den Tourneen und meiner Arbeit, bei dem ich Kraft schöpfe. Während Corona hat sich das geändert, weil da sehr viele Leute in die Natur gegangen sind. Aber es gibt sie nach wie vor, die Flecken, an denen man auch jetzt noch vollkommen allein sein kann.

Aber Sie sind ein Mann, der im Rampenlicht steht. Juckt es da nicht, auch in der größten Einsamkeit das Handy zu zücken und zu schauen, was man so in den sozialen Medien über Sie schreibt?

Schmidbauer: Absolut nicht. Und zum Glück muss ich mich damit auch nicht beschäftigen, weil ich ein sehr gutes Team habe, das das macht. Mein Freund, der Musiker Pippo Pollina, ist da ganz anders. Als wir auf Tour waren, hat er vor und nach dem Auftritt auf Facebook mit Fans geschrieben und seine Plattformen bespielt, Merchandise verkauft und Fragen beantwortet. Für mich ist das nicht denkbar, ich brauch’ entweder meine Ruhe oder den direkten Kontakt.

Werner Schmidbauer hat schon in der Schulzeit mit der Musik begonnen. Als Teil des “Duo Jedermann” hat er sich einen Ruf als Münchens jüngstes Liedermacher- und Kabarettduo erarbeitet. 1986 entdeckte ihn so der Bayerische Rundfunk. Zusammen mit Amelie Fried und Giovanni Di Lorenzo übernahm er die Moderation der Jugend-Talkshow “Live aus dem Alabama”, die im Debütjahr mit dem Adolf Grimme Preis ausgezeichnet wurde. Daneben moderierte er Sendungen wie “Dingsda” und “Aufgspuit!”. Anfang der 2000er Jahre begann er, mit Martin Kälberer musikalisch zusammenzuarbeiten. Unter anderem haben die “Sting”-Fans dessen “Fields of Gold” umgeschrieben. Die goldenen Felder lagen auf einmal hinter Aibling. Das bekannte Album “Momentnsammler” brachte das Duo 2005 heraus. Beide lernten den italienischen Musiker Pippo Pollina kennen. Aus dem Duo wurde ein Trio, das musikalisch Furore machte, vor allem mit der “Süden”-Tour 2012 mit 100 Konzerten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien. 10.000 Besucher kamen in die Arena di Verona, um die drei Musiker zu hören. Heute hat Schmidbauer insgesamt 17 Studioalben veröffentlicht. Neben der Musik ist seine zweite Leidenschaft das Bergwandern. So entstand 2003 die Idee zum “Gipfeltreffen”. Schmidbauer ist hier mit Prominenten wie Claudia Roth, Peter Maffay, Hilde Gerg oder Hannes Ringlstetter auf verschiedenen Berggipfeln unterwegs – zum Wandern, Essen und Plaudern.

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Matthias Jell

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