Zeit für Glücksmomente: Positive Psychologie aus Oberbayern

Optimismus kann man trainieren. Foto: IMAGO/Westend61

Im Landkreis Rosenheim lebt und lehrt noch eine weitere Expertin für seelisches Wohlbefinden: Dr. Daniela Blickhan. Als Spezialistin für positive Psychologie möchte sie den Menschen helfen, zufriedener und resilienter zu werden.

Optimismus trainieren  

 

Dr. Blickhan ist überzeugt, dass man seinen Optimismus “wie einen Muskel” trainieren kann. Dafür muss man den Blick auf die guten Dinge des Lebens richten, und seien sie noch so klein. Ihr Vorschlag: “Fragen Sie sich jeden Abend: Was war heute schön? Und schreiben Sie das auf!” Das kann ein Marienkäfer sein, der auf dem Weg zur Arbeit auf der Schulter gelandet ist, das Lächeln der Nachbarin oder ein besonders leckerer Salat. Egal, es geht darum, die positive Wahrnehmung zu trainieren und sich gleichzeitig zu fragen, was man selbst zu diesen guten Empfindungen beigetragen hat – denn dann lassen sie sich leichter wiederholen. So kann man das Lächeln der Nachbarin zum Beispiel nur wahrnehmen, wenn man hinschaut und nicht mit den Gedanken ganz woanders ist. Das ist eine Frage der inneren Einstellung. 

 

Wer sein “Glückstagebuch” regelmäßig führt, trainiert seine positive Lebenswahrnehmung und kann auch in schwierigeren Zeiten leichter selbst Situationen herbeiführen, die ihn zufriedener machen.

Beziehungen pflegen

 

“Niemand ist eine Insel.” Die Wahrheit dieses berühmten Zitats des englischen Dichters John Donne haben in den vergangenen Monaten fast alle Menschen gespürt. Nähe ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen, sagt Dr. Blickhan. Auch und gerade in Zeiten von Abstandsregelungen ist gefühlte Nähe wichtig. Wir können emotionale Nähe auch anders als durch Berührung ausdrücken. Ein Lächeln oder ein freundlicher Blick bauen eine Brücke zum anderen, und auf dieser Grundlage entsteht Verbundenheit. Sie ist wichtig für unsere seelische Gesundheit.

Positive Psychologie ist “die Wissenschaft des gelingenden Lebens”, sagt Dr. Blickhan. Ihr “Handbuch Positive Psychologie” ist eines der Standardwerke der Forschungsrichtung und sie bildet in Bad Aibling, München und an anderen Standorten ihres Inntal-Instituts Menschen in Positiver Psychologie aus. Für unsere Leser gibt die Psychologin Tipps, wie sich durch andere Gedanken und Prioritäten die eigene Stimmung und Zufriedenheit verbessern lässt.

Weniger schlechte Nachrichten

 

Die Medien sind voll mit Hiobsbotschaften. Wir empfangen sie durch Zeitung, Radio, Fernsehen und das Handy den ganzen Tag. Unser Gehirn gibt bedrohlichen oder verunsichernden Nachrichten außerdem noch Vorrang, denn im Lauf der Entwicklungsgeschichte haben die Vorsichtigen überlebt, die mögliche Gefahrenquellen aufmerksam wahrgenommen haben. “Das war in Zeiten der Säbelzahntiger auch durchaus sinnvoll, doch der stets verfügbare Newsfeed im Smartphone löst quasi permanent Aufregung, Stress und Belastung aus,” meint Dr. Blickhan. Vor dem Tiger konnten unsere Vorfahren davon rennen und haben dabei die Stresshormone verstoffwechselt. Wenn wir heute rennen, sei unser Smartphone oft dabei. 

 

Doch letztlich biete uns das auch die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, welche Informationen wir uns holen – und welche nicht. Jeder entscheidet selbst, wie oft und aus welcher Quelle er informiert werden will – und womit er sich gedanklich beschäftigt. Wer merkt, dass all die schlechten Nachrichten ihn zu überwältigen drohen, sollte sie einfach nur noch einmal am Tag lesen – oder sich sogar mal einige Tage Urlaub von der Nachrichtenlage gönnen.

Zeit für Glücksmomente

 

Sei es die Gute-Nacht-Geschichte für den Sohn, die Radtour mit dem Kumpel oder das ganz allein genossene Schaumbad – Dinge, die glücklich machen, kommen nicht durch Zufall, sondern dadurch, dass wir uns Zeit dafür nehmen. Dr. Blickhan schlägt vor: “Fangen Sie damit an, dass Sie sich fragen: Was macht mir Freude? Was habe ich früher gerne gemacht? Und dann schreiben Sie eine Liste solcher positiven Aktivitäten auf. Die Liste soll mindestens 20, besser 30 Einträge umfassen – kürzere, längere, spontane, geplante Aktivitäten mit und ohne Requisiten, alleine oder mit anderen Menschen. Allein das Erstellen der Liste wird Ihre Laune schon heben.” Und dann nehmen Sie sich alle paar Tage bewusst Zeit für eine davon und genießen diesen Mini-Urlaub. Und ja, Zeit ist manchmal Geld: “Investieren Sie Ihr Geld lieber in Erlebnisse als in Dinge”, sagt Psychologin Blickhan, “am besten mit Menschen, die Sie lieben.”

 

Seminare zum Thema gibt es unter www.inntal-institut.de

Mehr über den Weg zur guten Laune erfahren Sie hier und in der Ausgabe 04/2020.

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Christine Henze

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