Tief einatmen im Bodenmaiser Therapiestollen

Eine Führung im Besucherbergwerk Silberberg, unterwegs im Bergwerk. Foto: Woidlife Photography

Auch im niederbayerischen Bodenmais kommen Kurgänger in den Genuss heilender Luft. Dort ermöglicht ein Therapiestollen im stillgelegten Erzbergwerk des Silberberges unbeschwertes Durchatmen. Dr. Judith Haus praktiziert als Lungenfachärztin in der Silberberg-Klinik in Bodenmais und betreut stationäre Patienten mit Atemwegserkrankungen. Im Interview spricht sie darüber, warum die Luft unter Tage so gesund ist und was sie mit Entzündungen in unserem Körper macht.

Bei welchen Beschwerden kann die Heilstollentherapie helfen? 

 

Dr. Judith Haus: Die Speläotherapie wird vor allem bei chronischen Atemwegserkrankungen angewandt. Dazu zählen die Lungenerkrankung COPD, Asthma bronchiale, Keuchhusten, Pseudokrupp, Allergien und chronische Nasennebenhöhlenentzündungen. Alles Krankheiten, bei denen Entzündungen der Schleimhäute eine Rolle spielen.

Wer sollte besser nicht in eine Höhle oder einen Stollen gehen?

 

Die Therapie ist etwa ungünstig bei Menschen mit Platzangst. In geschlossenen Räumen fühlen sie sich nicht wohl und bekommen womöglich noch schlechter Luft. Patienten mit Herzschwäche schließen wir nicht grundsätzlich aus, es kommt immer auf den Einzelfall an. Mit akuten Entzündungen sollte man aber nicht in die Höhle gehen, weil sich diese in der kalten Höhlenluft erschlimmern können.

Wieso ist die Luft unter Tage so gesund?

 

In der kalten Luft löst sich wenig Feuchtigkeit. Die absolute Luftfeuchtigkeit ist viel niedriger, im Gegensatz zu warmer Luft, die viel Feuchtigkeit in sich tragen kann. Wird die Höhlenluft eingeatmet und gelangt in den 37 Grad warmen Körper, wird die Luft noch trockener und die Feuchtigkeit den Schleimhäuten entzogen. Damit verschwindet die Entzündung, die Schleimhäute schwellen ab und der Patient kann besser durchatmen. Die Schleimlösung gelingt besser und man kann leichter abhusten.

Was macht die Höhlenluft so besonders?

 

Die Luft im Stollen ist vollkommen staub- und allergenfrei. Staubpartikel sinken zu Boden und bleiben an den feuchten Wänden und Böden hängen. So eine reine Luftqualität findet man sonst in keinem anderen Klimabereich. 

 

Wie nachhaltig helfen Besuche im Heilstollen der Gesundheit? 

 

Man muss es ausprobieren und auch ganz klar sagen, dass nicht jeder profitiert. Die Patienten, bei denen es anschlägt, können freier und leichter durchatmen. Bei ihnen bleiben die Atemwege über längere Zeit beschwerdefrei. Nicht auf Dauer, aber für Wochen und Monate. Bestenfalls wiederholt man die Anwendung regelmäßig.

Kann die Stollentherapie Medikamente ersetzen? 

 

Bei einem leichten Krankheitsbild ist es möglich, dass man vorübergehend Medikamente ganz weglassen kann. Die Heilstollentherapie ist aber eher ein Baustein von vielen neben Atemgymnastik oder sportlichen Aktivitäten im Freien. Aus meiner Sicht steht die medikamentöse Therapie im Vordergrund. Die Klimatherapie ist nachfolgend als Ergänzung gedacht. 

 

Kann die Höhlenluft Corona-Patienten helfen? 

 

Ich habe noch keine Patienten in den Stollen geschickt. Uns fehlt bisher die Erfahrung damit. Corona-Patienten, die eine beidseitige Lungenentzündung hatten, haben erhöhten Sauerstoffbedarf. Das Lungengewebe ist durch die Entzündung verfestigt. Ich hätte Angst, dass die Entzündung sich durch die Kälte verschlimmert. Langfristig werden wir aber diskutieren, ob wir Patienten, die aufgrund einer Corona-Infektion etwa an Reizhusten leiden, in den Stollen schicken.

Die Lungenfachärztin Dr. Judith Haus weiß, warum der Körper vom unterirdischen Klima profitiert. Foto: privat

Weitere Informationen: www.silberberg-online.de

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Christine Henze

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