Prost Gesundheit: Heilwasser aus Bad Kissingen

Brunnenfrau Joana Reuß zapft Heilwasser. Foto: Gertraud Wittmann

Redakteurin Gertraud Wittmann war unterwegs in Bad Kissingen und hat das dortige Heilwasser unter die Lupe genommen. Dieses soll zum Beispiel bei Magen-Darm Problemen helfen.

Leises Plätschern klingt durch die Brunnenhalle. Die bronzefarbenen Rohrbögen der Wasserhähne glänzen wie frisch poliert. Am Anfang und Ende der Reihe rinnt fortwährend ein dünner Strahl ins Becken. Es ist 7 Uhr morgens. Gleich beginnt Brunnenfrau Joana Reuß den Heilwasserausschank in Bad Kissingen. Eine Frau tritt an den Tresen, leise sagt sie: “Den Rakoczy, entgast bitte.” – “Gern”. Ruhig füllt die Brunnenfrau einen Becher mit dem beliebten Heilwasser. Bedächtig gießt sie es mehrmals in hohem Bogen von einem Becher in einen anderen. Ein leises Pladdern und doch das lauteste Geräusch. So kann die Kohlensäure entweichen. Das macht den Rakoczy-Brunnen besser bekömmlich. “Schön langsam trinken. Am besten gehen Sie eine kleine Runde.”

 

Diesen Satz wird Reuß heute oft sagen. Sie nimmt sich für jeden Zeit. Manche Gäste erzählen von Beschwerden, dann berät sie. Sodbrennen, Blähungen, chronisch entzündeter Darm? Warmer, entgaster Rakoczy, bitte sehr. Probleme mit Gallensteinen, Gicht oder der Leber? Besser Pandur. Erkältung, Nieren- oder Blaseninfekt: zweimal täglich vom Max-Brunnen. Ist man allergisch oder gestresst rät sie zu Luitpoldsprudel. Von einer Brunnenfrau zur nächsten wird das Wissen um die Wirkung weitergegeben, seit Generationen. “Das schmeckt aber eigenartig”, sagt eine Frau. Ist ja auch Medizin.

Von Bismarck bis Kaiserin Elisabeth von Österreich

 

Schon Kronprinz Luitpold, Reichskanzler Bismarck oder Theodor Fontane waren zur Heilwasser-Trinkkur in Bad Kissingen. Kaiserin Elisabeth von Österreich soll gar sechs Liter täglich getrunken haben – um abzunehmen. Eine viel zu große Menge. “Sisi war ganz sicher magersüchtig”, erklärt Kurarzt Dr. Ralph Brath. Zu ihm kommen Patienten, die sich mit Kur- oder Reha-Verordnung in Bad Kissingen befinden. Ihnen verschreibt er etwa einen halben Liter Heilwasser pro Tag. Vom Luitpold- oder Max-Brunnen maximal 1,5 Liter.

 

Von Otto Fürst von Bismarck ist überliefert, dass er gegen Nervenschmerzen, Verdauungsbeschwerden und sein Übergewicht Heilwasser trank, am Gradierwerk die salzgeschwängerte Luft atmete und in Thermalheilwasser badete. Ganze 15 Mal kurte er hier in der Rhön. “Neben Gott und meinem Schweninger – seinem Leibarzt – verdanke ich
Kissingen die zweite Hälfte meines Lebens”, zitiert ihn Gästeführer Harald Hümmer. Auf Kur politisierte die europäische Adelselite im Kaffeehaus, flanierte mit heiratsfähigen Töchtern im Kurpark an der Fränkischen Saale und lauschte dem Orchester: genesen, sich
vergnügen, verkuppeln und taktieren am gefühlten “Nabel der Welt”.

Damals stiegen noch Brunnenmänner hinab zu den beiden Quellen Rakoczy und Pandur, die direkt unter der Brunnenhalle nur acht Meter voneinander entfernt zu Tage treten. Die Zapfanlage erleichtert Brunnenfrauen wie Joana Reuß seit gut 100 Jahren den Ausschank. Sieben mineralstoffreiche Heilquellen sprudeln in und um Bad Kissingen aus der Erde. Reich an Mineralien und Spurenelementen und jede für sich einmalig. Zur Trinkkur holen sich die Gäste zweimal täglich Rakoczy, Pandur, Luitpoldsprudel “alt” oder den Max-Brunnen. Schluckweise leeren sie ihr Glas, schlendern in der Wandelhalle oder im Kurpark und ratschen gemütlich. Ein Ritual, das Ruhe, Müßiggang und bewussten Genuss in sich vereint.

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Christine Henze

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