Deftiges aus dem Kessel: Die Schlachtschüssel von Schloss Oedenberg

Schlachtschüssel Schloss Oedenberg
Auf Schloss Oedenberg wird noch selbst gewurstet. (Foto: Chris Sternitzke)

Einmal wöchentlich wird es deftig auf Schloss Oedenberg. Familie Fensel bringt mittags die Schlachtschüssel auf den Teller. Ein traditionelles Gericht, das in Bayern vor allem in Franken und der Oberpfalz verbreitet ist. Damit es frisch auf den Tisch kommt, beginnt Metzgermeister Hans Fensel bereits um 5 Uhr mit der Arbeit.

“Mächtig, deftig”, denke ich, als mir der Wirt von Schloss Oedenberg, Hans Fensel, die Schlachtschüssel reicht. Frisch aus dem Kessel gekommen, häufen sich auf dem Teller Leber-, Blutwurst, Bruststück und Sauerkraut. Es ist 11.30 Uhr. Wie jeden Mittwoch ist in der Wirtschaft in Lauf an der Pegnitz im Nürnberger Land Schlachtschüsseltag.

Beim Biss in die Leberwurst breitet sich durch den Majoran eine leicht süßliche Würze aus, die Blutwurst mit ihren Speckstückchen schmeckt intensiv-süß, hinzu kommt das saftige Brustfleisch. In Franken sind Sauerkraut und Salzkartoffeln die klassischen Beilagen. In der Oberpfalz geht es oft noch deftiger zu – anstatt der Kartoffeln gibt es Dotsch, im Fett herausgebackene Kartoffelpuffer.

Die Schlachtschüssel ist ein bäuerliches Traditionsessen. Wenn auf dem Hof Schweine geschlachtet wurden, richtete der Bauer ein Schlachtfest aus. Neben der Familie kamen Helfer, Nachbarn und auch Kinder, denen die Metzelsuppe gereicht wurde. Der Brauch hat sich in die Gasthäuser verlagert, gerade in Landgasthöfe mit angeschlossener Metzgerei. In den Kessel kamen früher die Zutaten, die der Bauer nicht verwurstete oder zum Räuchern abhing, also auch Innereien, Schweinskopf und Zunge. Heute findet man auf der Schlachtschüssel zumeist Bauchfleisch, Leber- und Blutwurst. Doch standardisiert sind die Zutaten keineswegs. So findet man zum Teil noch Kopf oder Innereien wie auch andere Würste auf den Tellern.

Bereits seit den 1960ern gibt es auf Schloss Oedenberg Schlachtschüsselessen. Der Spruch “Plocht miech da Hunga und da Dorscht nou zöichts miech naf nach Ödnberch, mit aner Maß, mit Kraut und Worscht macht glückli miech da Fensels Gerch1”, erinnert in der Wirtsstube an diese Zeit. Dieser Satz ist samt der Zeichnung von Georg “Gerch” Fensel auf einem Foto verewigt. Georg Fensel war der erste Metzger in der Familie und führte das Schlachtschüsselessen ein…

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Christine Henze

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